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Projekt · · 3 Min

Vom Koffer zur App: Wie Pausenknopf entstanden ist.

Angefangen hat es nicht mit Code, sondern mit kleinen Koffern für meine Schwester und meine beste Freundin. Daraus wurde eine Web-App – und die schwierigste Entscheidung war nicht die Gestaltung, sondern die erste Frage.

Zwei Smartphones mit der App Pausenknopf: links die Frage „wie geht es dir gerade?“ mit fünf Stimmungssymbolen, rechts farbige Kacheln mit Wegen wie runterfahren und regulieren.

Pausenknopf ist mein eigenes Produkt: 53 kurze Übungen zur Selbstregulation, erreichbar in wenigen Sekunden. Konzept, Gestaltung und Code sind von mir. Die App läuft seit Dezember 2025 und wird weiter gebaut.

Angefangen hat sie aber nicht am Rechner. Manchmal entstehen die besten Ideen nicht aus einem Businessplan, sondern aus dem Moment, in dem man merkt: So wie es gerade ist, geht es nicht weiter.

Zuerst waren es Koffer

Ich habe angefangen, kleine Koffer zu bauen. Für meine Schwester. Für meine beste Freundin. Für diese Momente, in denen das Nervensystem einfach überläuft. Da ist nichts „falsch“. Es ist einfach zu viel.

Also habe ich Dinge gesammelt, die helfen können, wenn Worte nicht mehr greifen:

  • Saure Bonbons, die dich zurückholen
  • Fidget Toys für die Hände
  • Riechstifte für einen klaren Moment
  • Ein kleines Kuscheltier für Halt
  • Karten mit Übungen
  • Notfallkontakte griffbereit

Kein „Reiß dich zusammen“. Kein „Atme einfach“. Sondern etwas, das wirklich da ist, wenn es eng wird.

Die digitale Übersetzung

Und dann war irgendwann klar: Das darf nicht nur in einer Box bleiben. Ein Koffer hilft genau einer Person, und nur da, wo er gerade steht. Also habe ich angefangen, das Ganze zu übersetzen – in etwas Digitales, in etwas, das immer dabei ist. So ist Pausenknopf entstanden.

Damit war die Aufgabe klar umrissen, und ziemlich unbequem: Ein Koffer stellt keine Fragen. Man klappt ihn auf und greift hinein. Eine App muss dieses Aufklappen erst erfinden.

Das Problem mit Listen

53 Übungen sind eine Bibliothek. Und eine Bibliothek ist genau das, was in einem überforderten Moment nicht hilft: Sie verlangt eine Entscheidung, für die gerade keine Kraft da ist. Wer ein rasendes Herz hat, sucht nicht in einer Kategorie „Atemtechniken“.

Der Einstieg läuft über den Zustand

Deshalb heißen die sechs Kategorien nicht nach ihrer Methode, sondern nach dem Moment, für den sie da sind:

  • Runterfahren – wenn alles zu viel ist.
  • Regulieren – wenn du zu viel Energie hast.
  • Aktivieren – wenn du Bewegung brauchst.
  • Zurückkommen – wenn du neben dir stehst.
  • Sicherheit – wenn du Schutz brauchst.
  • Trösten – wenn du zweifelst oder erschöpft bist.

Die Methode steht erst im zweiten Satz: Erdungsübungen, Atemübungen, Vorstellungsübungen, Selbstmitgefühl. Wer wissen will, was ihn erwartet, findet es – wer keine Kraft für die Frage hat, braucht sie nicht. Wer gar nicht wählen will, lässt sich überraschen.

Um die Übungen für den Moment liegen drei weitere Bereiche: Innere Stärke mit den sieben Schlüsseln der Resilienz für die Zeit zwischen den Krisen, Reflexion als Journal für das, was gut war – kurze Fragen, keine Pflicht – und Energieübungen, elf längere, Phase für Phase geführt: schütteln, ausklopfen, erden, tanzen. Alles bleibt auf dem Gerät. Keine Anmeldung, keine Cloud, kein Tracking – bei diesen Inhalten ist das keine Fußnote, sondern Teil der Übung.

Ein Interface, das im schlechtesten Moment funktionieren muss, verträgt keine Extras.

Was ich daraus in Kundenprojekte mitnehme

  • Reduktion ist keine Ästhetik, sondern eine Entscheidung darüber, wie viel Belastung ein Bildschirm verlangt.
  • Der erste Bildschirm ist die ganze Produktentscheidung. Alles danach ist Ausführung.
  • Technik ist Mittel, nicht Thema. React und TypeScript, gebaut als installierbare Web-App – damit sie auf dem Homescreen liegt und sofort startet, statt aus einem Store geholt zu werden.
  • Der Koffer ist der beste Prototyp, den ich je gebaut habe. Er hat nichts gekostet, keine Zeile Code gebraucht und die eine Frage beantwortet, auf die es ankam: Hilft das jemandem?

Und die Frage, die ich seitdem in jedem Projekt stelle: In welchem Zustand ist eigentlich der Mensch, der auf diesen Bildschirm schaut?

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Geschrieben im September 2026 von Julia Reuter. Zurück zu allen Beiträgen

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